Der Jahresrückblick 2016

Reinschauen und lesen lohnt sich! Entschuldigung, sobald wir etwas Zeit gefunden haben, folgen die Ereignisse bis Dezember 2016.

Januar 2016

Dieses Jahr ist bislang das Traurigste in der Geschichte von Schutzengel für Tiere.

Es begann aber nicht unerfreulich mit der Vermittlung des Haflingers Sams, den wir im April 2015 von einer in finanzielle Nöte geratenen Frau übernommen hatten. Normalerweise lassen wir uns das Eigentum an den Pferden, für die wir sorgen, immer unwiderruflich überschreiben. Die Frau bat uns aber inständig, in diesem Fall eine Ausnahme zu machen, weil sie sehr an ihrem Pferd hänge. Da sie Tierheilpraktikerin ist und in der Schlachtfohlenhilfe aktiv war, vertrauten wir darauf, dass sie wohl nicht zum Schaden ihrer Tiere handeln würde. Und nahmen eine Klausel in den Schutzvertrag auf. Die besagte, dass sie Sams zurückbekommen würde, wenn sie am 01.01.2016 nachweislich wieder in der Lage sei, für ihn zu sorgen. Allerdings unter der Voraussetzung, dass wir uns von dem Platz überzeugen dürfen und sie die von uns für das Pferd verauslagten Kosten zurückerstattet.

Weiter regelte der Vertrag allerdings auch, dass wir Sams mit Schutzvertrag vermitteln dürfen, falls er am 01.01.16 nicht zu seiner Besitzerin zurück kann. Denn Schutzengel für Tiere muss ja auch kalkulieren können und Sams als junges, gesundes Pferd durfte nicht womöglich über Jahre einen Tierschutzplatz blockieren. Die Geschichte um Sams ist für uns zu einem richtigen Lehrstück geworden, was Schutzverträge und ihre Bedeutung vor Gericht angeht. Deshalb möchte ich sie Ihnen auch nicht vorenthalten, weil alle Tierschützer daraus lernen können. Sams wird uns durch den Jahresrückblick 2016 begleiten. Da Sams Besitzerin uns am 31.12.15 telefonisch mitteilte, dass sie Sams nicht zurücknehmen könne, vermittelten wir ihn im Januar an Jasmin, eine junge Frau aus einem Nachbarort, die schon mehrere Monate konsequent mit Sams gearbeitet hatte. Denn als der im April 2015 nach Monheim gekommen war, rannte er Menschen einfach über den Haufen, wenn die Boxtür aufging.

Jasmin übte mit Sams also zuerst Gehorsam und machte Bodenarbeit mit ihm. Das bedeutet, dass man nicht auf dem Pferd reitet, sondern „vom Boden aus“ mit ihm arbeitet. Sams wirkte erleichtert, dass er nun auch Beschäftigung für den Kopf bekam und ihm jemand sagte, wo es langgeht. Bodenarbeit und Einreiten von jungen Pferden sollte nur oder zumindest unter Anleitung von wirklich darin erfahrenen Menschen erfolgen. Haflinger zum Beispiel sind Spätentwickler, sie sollten erst im Alter von fünf Jahren geritten werden. Pferdegerechte, aber konsequente Erziehung sollte aber natürlich bereits im Fohlenalter beginnen, die schien bei Sams ein wenig zu kurz gekommen zu sein. Aber es ist ja bekanntlich selten zu früh und nie zu spät, das traf auch auf Sams zu. Denn schon bald benahm er sich viel besser und wirkte sehr zufrieden. So begann das Jahr 2016 eigentlich gar nicht schlecht für Sams und seine frischgebackene neue Besitzerin Jasmin, beide waren glücklich und zufrieden bei langen Ausritten im Schnee.

Andere Schützlinge dagegen machten uns Kummer – so hatte unser für ein Galopprennpferd mit seinen 25 Jahren schon arg betagter Silver in Korschenbroich Kolik. Glücklicherweise war die Tierärztin schnell vor Ort und unserem Opa ging es bald wieder gut. Wetterkapriolen, die wie durch den beängstigenden Klimawandel leider die Regel geworden sind, schlagen gerade alten Pferden oft auf Kreislauf und Magen. Und das neue Jahr begann wettermäßig, wie das alte geendet hatte. Es regnete und regnete immer weiter, so dass die Paddocks hoffnungslos unter Wasser standen. Die Pferde wurden bereits nach dem Misten wieder in den Stall geholt, auch damit die Regendecken überhaupt eine Chance hatten, bis zum nächsten Morgen wieder zu trocknen. Nur die Matsche auf den Paddocks trocknete natürlich nicht, die Pferde standen wirklich bis zu den Fesselgelenken im Schlamm, so ging es nicht weiter. Denn wenn Pferde zu nass stehen, führt das zu Strahlfäule an den Hufen und zu schmerzhafter Mauke in den Fesselbeugen. So beschlossen wir endgültig, im Frühjahr für den kleinsten unserer Paddocks die teuren Ecoraster (aus Kunststoff) als Drainage anzuschaffen. Der kleinste Paddock (ca. 150 qm) sollte es sein, weil nur dafür die Kosten noch einigermaßen erschwinglich waren – die Sanierung würde mit ca. 8000 EUR zu Buche schlagen. Ein stolzer Preis, aber dafür würden unsere Pferde auf diesem Paddock selbst bei starkem Regen immer einigermaßen trocken stehen. Also warteten wir sehnsüchtig auf den Frühling. Zum Glück ahnten wir da noch nicht, dass auch der Sommer 2016 sehr nass werden sollte.

Februar 2016

Dieser Monat gehörte schon zu den traurigen des Jahres, denn unser erst etwa ein Jahr altes Schwein Felix starb am 6. Februar in der Pflegestelle Schwefe bei Soest. Nachdem wir ihn im Juni 2015 ja schon krank mit ständigem Durchfall bekommen hatten, päppelten wir ihn mit ungeheuerem Aufwand und Einsatz von drei ehrenamtlichen Helferinnen mit Leber- und Magendarm-Kräutern, Homöopathie und ganz viel Liebe. Die Zuwendung seiner „Krankenschwestern“ genoß Felix in vollen Zügen, das war ihm deutlich anzumerken. Auch wenn es ihm mal nicht so gut ging – wenn er seinen Namen hörte, kam er im Schweinsgalopp aufgeregt grunzend zum Zaun und verteidigte die Extra-Leckerlies für ihn mit eisernem Willen auch gegen die anderen Schweine. Ein besonders Verhältnis hatte er zu unserer Cranio-Sacral-Therapeutin Carmen, die auch immer kurzfristig einen Termin frei hatte, wenn es ihm mal wieder schlecht ging. Denn immer wieder gab es Tage, wo er appetitlos war und matt wirkte. Es war unglaublich – eine Stunde, nachdem sie ihn behandelt hatte, konnte man zusehen, wie es ihm fast schlagartig wieder besser ging. Und noch am Jahresende 2015 hatten wir wirklich gehofft, Felix habe sich endgültig berappelt, denn er hatte ein glänzendes Borstenkleid bekommen und seine Äuglein funkelten unternehmungslustig. Aber es war wohl leider nur das letzte Aufbäumen vor seinem Tod, wie man es bei schwerkranken Menschen auch beobachten kann.

Denn Anfang Februar fing er plötzlich wieder an zu schwächeln, er fraß nicht und hatte einen aufgeblähten Bauch. Wir brachten schnell eine Kotprobe zur Untersuchung, weil wir dachten, er hat bestimmt wieder Würmer. Denn er war mit Spulwurmbefall zu uns gekommen. Einfach eine Wurmkur geben, ist bei einer geschädigten Leber wie Felix sie hatte, keine gute Idee. Aber Würmer waren nicht der Grund für seine Mattigkeit und Appetitlosigkeit, die Kotprobe war negativ, keine Würmer drin. Da waren wir schon mal erleichtert, aber trotzdem riefen wir Carmen, seine persönliche Therapeutin an, denn es ging ihm nicht gut. Zu unserem Schrecken konnte Carmen aber nicht kommen, es war entsetzlich nasskaltes Wetter zu dieser Zeit und Carmen hatte sich eine heftige Erkältung samt Blasenentzündung eingefangen. Mit so etwas sich eine Stunde in den kalten Schweinstall setzen, nein, das ging einfach nicht, sahen wir ein. Carmen hätte sich dabei womöglich eine Nierenbeckenentzündung zugezogen. Inzwischen hatten wir dann den Tierarzt gerufen, der Felix mit Buscopan spritzte. Dieses bekannte Medikament bekommt man ja auch als Mensch bei Bauchschmerzen, es wirkt krampflösend. Und die Freude war groß, als Felix am Freitag dann wieder ein wenig fraß, als Karin und Cornelia nachmittags gekommen waren, um nach unserem Sorgenkind zu schauen. Er grunzte auch wieder ganz fröhlich und wirkte etwas mobiler als die Tage zuvor. Aber einen Tag später lag er morgens vollkommen unerwartet tot im Stall. Wir waren alle völlig entsetzt und vermutlich wurde noch niemals der Tod eines Schweines so sehr beweint wie der von unserem Felix. Wenn noch junge Tiere gehen müssen, ist das immer schlimm. Erst mit etwas Abstand kann man sich damit trösten, dass sie zumindest einige Monate Sonne, Wiese und Fürsorge genießen durften. Acht Monate immerhin waren es bei Felix. Ruhe in Frieden, kleiner Mann, Du warst ein großer Kämpfer und wir sind dankbar, dass wir Dich kennenlernen durften.

Nur vier Tage später, am 10. Februar verabschiedete sich in Simmern unsere hochbetagte Schafdame Maria. Es ist immer traurig, wenn ein Schützling stirbt, aber deutlich leichter zu ertragen, wenn sie ein hohes Alter erreicht haben, viele Jahre ihres Lebens bei uns verbringen durften, und wenn sie dazu noch von alleine sterben und sie bis zuletzt einen zufriedenen Eindruck gemacht haben. Maria lebte seit 2008 bei uns, wurde zusammen mit ihrem Sohn Moses und ihrer Gefährtin Bella vor der Schlachtung gerettet. Sie folgte nun ihrem Sohn Moses auf die ewige Weide. Ihn mussten wir leider bereits 2015 einschläfern lassen, weil er als ehemaliges Mastlamm mit etwa 90 kg Gewicht festlag und nicht mehr aufstehen konnte.

Zum Glück ging der Februar dann aber erst mal recht erfreulich weiter, denn unser dämpfiger Hengst Kanut in Brunsbüttel sprach sehr gut auf die Inhalations-Behandlungen von Therapeutin Jana an. Seine Atemfrequenz wurde ruhiger und ihm war deutlich anzumerken, wieviel Spaß er auch wieder daran hatte, sich auch im Galopp zu bewegen, ohne dabei völlig außer Atem zu geraten. Hinzu kam, dass er in seinem Stall einen Boxennachbarn hatte, mit dem er sich gut verstand. Allerdings war uns klar, dass sein Nachbar mit Beginn des Frühjahrs umziehen würde in den Laufstall, denn der Hof ist ein sogenannter Aktivstall, wo die Pferde quasi in der Herde zusammenleben und sich den ganzen Tag frei bewegen können. In so einem mit mehreren Sternen ausgezeichneten Aktivstall kann man natürlich nicht einfach ein gesundes Pferd in die Box stellen, nur zur Gesellschaft von Kanut, das sahen wir ein. Er als Hengst durfte halt nicht in die Herde, wir hatten im Stillen darauf gehofft, aber die Verantwortung wollte und konnte der Pensionsstall nicht übernehmen, auch dafür mussten wir Verständnis haben.

Knut sollte aber nicht immer wieder seine Kumpel verlieren und deshalb sprachen wir Jana an, ob sie auf ihrem eigenen Hof evtl. einen Platz für Knut frei hätte. Und tatsächlich sah die sehr realistische Jana die Möglichkeit, ihn aufzunehmen, traute sich aber nicht, das Thema selbst anzusprechen. Das machte sie uns noch sympathischer. Ende Februar zog Knut dann um zu ihr nach 25725 Schafstedt ins Pferdetherapie-Zentrum Avalon. Jana holte ihn selbst in Brunsbüttel ab und Knut schien zu ahnen, dass der Umzug für ihn nur Vorteile haben sollte, denn er marschierte fast zielstrebig auf den Anhänger. Und in den nächsten Tagen bekamen wir schöne Fotos von unserem Knut, wie er gleich nach seinem Einzug in dem schönen Paddockboxenstall Freundschaft schloss mit seinem Boxennachbarn, einem Rappen. Und ab sofort täglich in Janas Pferdesauna ionisierten Sauerstoff (mit Musik) inhalieren durfte. Die Pensionskosten im Pferdetherapiezentrum waren natürlich hoch, obwohl Jana uns mit dem Preis entgegenkam. Auch die vielen Inhalationsbehandlungen konnte sie nicht kostenlos stellen. Aber es war sooo schön, zu sehen, wie wohl sich Knut fühlte. Und wir gaben die Hoffnung nicht auf, dass sich sein Gesundheitszustand weiter stabilisieren würde. Jana nannte ihn übrigens nie Knut, sondern immer Kanut. Und mit jedem Tag, den Kanut bei Jana sein durfte, schien der stolze Hengst, der er vor seiner Krankheit gewesen war, wieder in ihm zu erwachen.

In Kürze geht es mit unserem Jahresrückblick weiter.